09.10.2018

Mint Camp 4.0 ... Voll vernetzt / Vol. 2!

Ein voller Erfolg

Mint-Camp 4.0 ... total vernetzt – Vol.2!

 
Ein neues Jahr, ein neues Camp, ein bekanntes Thema ... so könnte man die zweite Runde des diesjährigen Mint-Camps um Digitalisierung und Vernetzung einläuten. Das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium Siegen und das Gymnasium Stift Keppel in Hilchenbach als altbekannte Kooperationspartner dieses Exzellenz-Camps bekamen mit dem Gymnasium Wilnsdorf dieses Jahr tatkräftige Unterstützung in dieser Kooperative.
Mit 16 Schülerinnen und Schüler aus diversen Schulen des Kreises Siegen-Wittgenstein und darüber hinaus, war das diesjährige Camp nicht ganz so stark besetzt, jedoch keineswegs unproduktiver, geschweige denn unmotivierter. Traditionell in den Zimmern des Tagungsgebäudes des historischen Stifts untergebracht, sollte es für unsere jungen Forscherinnen und Forscher an vier Tagen zu Betriebserkundungen, interessanten Diskursen, Projekten, neuen Erkenntnissen und Fähigkeiten im Bereich Informatik und Digitalisierung gehen. Natürlich gab es neben den Exkursionen wiederum ein Wochenprojekt zu bearbeiten, welches erneut durch Alexander Stierl angeleitet und betreut wurde. War die App-Programmierung im letzten Jahr die informationstechnische Herausforderung, so mussten sich unsere Camper dieses Jahr mit der Programmierung einer Platine auseinandersetzen und natürlich mit der dahinterliegenden Programmiersprache und Codeerstellung. Wie all die Jahre zuvor war natürlich wieder Alexander Degenkolb vom FJM als Betreuer am Start sowie Sarah Hanke, für die es das erste Camp sein sollte.
Unsere Camp-Agenda war für die Tage gut gefüllt, ließ aber natürlich auch Gelegenheit für Freizeit und das Knüpfen neuer Kontakte. Viel Zeit blieb unseren Campern bereits am ersten Tag nicht. Kaum im Stift Keppel angekommen und kurz auf den Zimmern eingerichtet, ging es nach Siegen zur Firma CONZE, die uns bereits im letzten Jahr als Kooperationspartner zur Verfügung standen. Als Firma die auf sog. User Interface Engineering, also auf Mensch-Maschine-Schnittschnellen spezialisiert ist, konnten die Camper hier wiederum hautnah den realen Einsatz der AR-Technologie (Augmented Reality) erleben, hier am Beispiel der Medizintechnik, indem anatomische Bilder mittels einer AR-Brille mitten in den Raum projiziert und bspw. für die Vorbereitung eines operativen Eingriffes genutzt werden können. Erneut wurden die Camper mit der von CONZE mitentwickelten 3D-Scantechnik vertraut gemacht, die das alte und recht unangenehme Kieferabdruckverfahren mittels einer Silikonmasse überflüssig macht und gleichzeitig die direkte 3D-Bearbeitung am Computer ermöglicht. Natürlich kam auch der Spaß nicht zu kurz, denn die Camper durften auch ein AR-Spiel ausprobieren.
Mit diesem faszinierenden Einblick ging es für die Camper zurück ans Stift, um sich erst einmal beim Abendessen zu stärken, um bis in die Abendstunden hinein die Grundlagen der Maschinen-Programmierung bzw. des Microcontrollerbaus zu erlernen.
Der zweite Tag sollte unsere Camper zum nächsten Projekt und Kooperationsfirma bringen. Dies war die  Firma DataSec , ebenfalls mit Sitz in Siegen und  Experte auf dem Gebiet der Datenverwaltung und -archivierung. Big Data ist das neue Synonym dieser Zeit und auch die nächste große Herausforderung in der Datenverarbeitung, denn es geht darum, wie man analoge Daten digitalisiert und entsprechend archiviert, wieder zugänglich macht und das weltweit ohne physische Datenträger bzw. Speicherlösungen vorhalten zu müssen. Nach einer kurzen Einführung zum Tätigkeitsfeld von DataSec ging es an die Projektarbeit, die von Auszubildenden des dritten Lehrjahres begleitet wurde. DataSec als Mitunterstützer der sog. LegoLeague, führte unsere jungen ForscherInnen in ein ganz besonderes Projekt - aus Lego-Tech-Bausteinen musste ein Roboter entworfen, konstruiert und mit einer spezifischen Aufgabe programmiert werden. Hier zeigten sich die Qualität und auch Kapazität unserer Mint-Camp-Teilnehmer, denn sie vermochten es innerhalb von 3 Stunden, sämtliche gestellten Aufgaben zu erfüllen und einen funktionierenden Lego-Roboter samt Programmierung auf die Beine zu stellen. Auch die Betreuer von DataSec waren sehr beeindruckt.
Am späteren Nachmittag zurück im Stift hieß es wieder programmieren, programmieren, programmieren ... somdass sich am Abend Film, Spiel und Spaß wirklich verdient wurde!
Am folgenden Donnerstag ging es in aller Frühe nach Bad Berleburg zum Bildungszentrum Wittgenstein. Etwas skeptisch, was sie wohl in einer Lehrwerkstatt erwartet, waren die Camper schnell recht begeistert, als sie nicht nur selbst in die CAD-3D-Programmierung eingeführt wurden und diese erproben durften. Auch das Kennenlernen hochpräziser Frästechniken bzw. -maschinen und deren Funktionsweise war äußerst spannend. Vor allem die dort betriebene Schnitttechnik mittels einer Wasserhochdruck-Schneidemaschine war sehr interessant, nicht zuletzt, da unsere Gastgeschenke (ein Flaschenöffner aus Aluminium in Haiform) auf dieser Maschine live vor Ort aus einer Aluminiumplatte herausgeschnitten wurden.
Mit diesen spannenden Eindrücken und Erkenntnissen zur 3D-Programmierung ging es nach Erndtebrück zum Treffen mit Bürgermeister Henning Gronau, der sich mit seiner Kommune auf den digitalen Weg gemacht hat. Auch wenn Erndtebrück natürlich am Beginn seiner urbanen Digitalisierung steht, sah man schon die ersten Möglichkeiten einer digitalen Vernetzung. Das dortige Park-and-Ride-System besitzt spezielle Sensoren (keine Kameras wegen des Datenschutzes), welche die freien Parkflächen an eine Informationssäule senden, die entlang der Hauptstraße zur Innenstadt aufgebaut wurde und so Pendlern die Anzahl freier Parkplätze anzeigt. Unweit dieser Informationssäule wurde in Zusammenarbeit mit Innogy Westnetz eine Multifunktionssäule errichtet, welche das Laden von E-Autos ermöglicht, ein offenes W-Lan-Signal aussendet und gleichzeitig als Straßenlaterne fungiert. Würden in Zukunft flächendeckend solche Säulen errichtet, könnte man theoretisch die gesamte Kommune mit freiem Internetzugang abdecken und böte so natürlich ganz neue Möglichkeiten, Informationen zur Stadt, Orientierung innerhalb des Ortes und/oder Kommunikation zu koordinieren. Urbane Digitalisierung wird so für Kommunen bzw. Städte ohnehin das zukünftige Entwicklungstableau!
Und wie sollte es am späten Nachmittag bis in den Abend auch anders sein ... programmieren, programmieren, programmieren! Betreuer Alexander Stierl wartete dann doch noch mit einer recht coolen Abendgestaltung auf. Selbst im Besitz einer VR-Ausrüstung (Virtual Reality) konnten die Camper auch am Abend nochmal in eine andere Realität eintauchen, dieses Mal natürlich mehr fun- und erlebnisorientiert.
Der letzte Projekttag vor der Präsentation am Samstag sollte nochmals zwei Firmenbesuche und am Abend ein Seminar zu den Herausforderungen der Digitalisierung beinhalten. Bürowelt Hees war der erste Tagesanlaufpunkt. Erneut waren unsere Camper sehr überrascht, wie eine Firma die primär auf Büromöbel und Bürosysteme (Drucker, Kopierer etc.) spezialisiert ist, etwas mit Digitalisierung zu tun haben könnte. Aber weit gefehlt, Bürowelt Hees ist gerüstet für die digitale Zukunft, indem sie nicht nur traditionelle Bürosysteme miteinander vernetzt und bspw. in Cloud-Lösungen einbindet, um so Wartungsintervalle und damit die Servicequalität zu verbessern. Man bietet  darüber hinaus komplette softwarebasierte Kommunikationslösungen und Vernetzungen nicht nur lokal sondern auch über Ländergrenzen hinweg, sodass Firmen global näher zusammenrücken und gemeinsames Arbeiten an Projekten dynamischer und auch fluider vonstatten gehen kann.
Zweiter Anlaufpunkt war die Firma Innogy Westnetz, die bereits vor zwei Jahren als Kooperationspartner zur Verfügung stand. Auch Innogy ist gerüstet für die digitale Zukunft. Hier erfuhren die Camper von vernetzten Überwachungssystemen, auch mit Hilfe von Drohnen und  Sensorsystemen. Relativ neu ist die Einbindung der AR-Technologie für Simulationen bestimmter Gefahrensituationen und Abläufe, aber auch für das Training an Energiesystemen wie Transformatoren, Hochstromleitungen oder Schaltkästen. Natürlich können solche AR-Systeme bzw. Simulationen den realen Einsatz und das Training der Fachleute noch nicht ersetzen, aber die Integration kann im Ernstfall sehr hilfreich sein, da die Informationsübermittlung und damit das Ausmaß einer Störung schneller, effizienter und durch die computergestützte Informationsverarbeitung auch präziser erfolgen kann.
Letzter und gleichzeitig längster Programmpunkt am Abend war ein äußerst interessanter Vortrag mit anschließender Diskussion zu den sozio-ökonomischen und gesundheitlichen Herausforderungen/Gefahren der Digitalisierung. Dabei gelang es dem Referenten David Gräf ein äußerst breites Spektrum zu eröffnen und die angesprochenen Aspekte miteinander zu verknüpfen. So streifte die Diskussion natürlich die Veränderungen des Arbeitsmarktes und den möglichen Wegfall dutzender Branchen, die zukünftig  durch den Einsatz von computergesteuerten Systemen  ersetzt werden können. So ging es aber auch um die Verwaltung der schier unglaublichen Datenmenge die momentan im Netz existiert – 41 Zetabyte (1 Zetabyte = 1 Trillion Gigabyte). Dieser drohende „information overload“ bringt auch gesundheitliche Herausforderungen mit sich. Heutzutage sind wir über digitale Medien umfassend vernetzt, aber auch erreichbar, so dass wir permanent mit Informationen geflutet werden, uns aber auch abhängig von derartigen Geräten und Medien machen. Mit der Diskussion zu KI-Systemen, also Künstliche Intelligenz, schloss sich der Rahmen und nahm auch  warnende orwellsche,  beinahe, dystopische Züge an, da hier auf die Problematik der Entfremdung und des Identitätsverlusts durch die zunehmende Digitalisierung im industriellen Produktionsprozess verwiesen wurde. Womöglich steht der Mensch hier vor seinem größten Anpassungsprozess. Für diesen Abend muss unseren Campern abermals ein großes Kompliment ausgesprochen werden: nach solch einem langen Tag noch so konzentriert, engagiert und auch differenziert über 3 Stunden an der Diskussion teilzunehmen, war schon sehr beeindruckend!
Unser Camp endete nach erkenntnisreichen und äußerst produktiven Tagen mit der obligatorischen Präsentation der Erfahrungen und Projekte vor versammelter Elternschaft. Und unsere jungen Forscher können wahrlich stolz darauf sein, was sie in diesen 4 Tagen erreicht, gelernt und umgesetzt haben: Neues Wissen zur Programmierung und digitalen Vernetzung, Kenntnis des Aufbaus und der Funktionsweise eines Microcontrollers und  über den Mint-Horizont hinaus kritisches Hinterfragen des technischen Fortschritts unter sozialwissenschaftlichen Aspekten.
Es war erneut ein sehr erfolgreiches Camp, das wieder einmal den in vielerlei Hinsicht großen Nutzen und Mehrwert einer solchen Maßnahme  für junge Forscher und Forscherinnen unter Beweis stellte! Wir Camp-Leiter freuen uns bereits jetzt auf die nächste junge Forscherelite im neuen Jahr.
 
 
Alexander Degenkolb
Campleiter, Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium Siegen

 



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